Der Verkehr in Amerika

Der Verkehr in Amerika ist purer Individualverkehr. Für alle die sich darunter nichts vorstellen können hier ein kleiner Einblick. 15 ½ Jährige fahren ihr eigenes Auto und öffentliche Verkehrsmittel sind ein Fremdwort.

Ja, seinen Führerschein zu bekommen ist in den USA billiger, schneller und leichter. Aber mit dem Preis sinkt augenscheinlich auch die Qualität der Fahrausbildung. Ich jedenfalls bin froh das Roxanne ihren Führerschein seit gut zwei Jahren hat und eigentlich sicher und abgeklärt fährt. Man kann getrost sagen, dass wenn ich die Wahl zwischen ihr und einen südeuropäischen Taxifahrer hätte, wäre meine Entscheidung eindeutig.

Schon kurz nach meiner Ankunft wurde mir klar, dass in den USA wohl jeder fahren kann wie er will. Jede Regel die existiert, wird, solange dem Fahrzeugführer überhaupt bekannt, soweit wie möglich und darüber hinaus gedehnt. Schulterblick oder derartiger Sicherheitsschnickschnack, Fehlanzeige. Und hier ein Beispiel dafür, das für den erhalt der Fahrerlaubnis keine umfangreichenden Kenntnisse der Verkehrsregeln nötig sind. Auf dem Weg nach Canada. Roxannes Mutter fährt. Wir waren auf der Inter State 90 Richtung Norden. Irgendwo 50 Kilometer vor Buffalo. Da fordert mich Roxanne, die Hinter mir saß, auf mit ihr den Platz zu tauschen. Als ich versuchte sie darüber Aufzuklären, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesetzlich Verboten war sich bei voller Fahrt abzuschnallen und in dem zwar geräumigen aber nicht grade dafür ausgelegten Van herumzuklettern, stellte sie das allen ernstes in Frage. So wir befinden uns grad auf der Rückfahrt von Canada und muss sagen das sie mit dieser Behauptung nicht falsch lag. Ab dem Alter von 16 Jahren ist es in den USA erlaubt auf den hinteren Plätzen unangeschnallt zu fahren. Dies nahmen die Amerikaner in unserem Auto, allen voran Kristie zum Anlass, kurz nach Wiederüberquerung der Grenze, anzufangen meinen Sitz im Fahrzeugboden zu versenken. Ich stand (wörtlich) ohne Sitz da. Und das während Debbie den Wagen links und rechts durch  die entlosen Inter State Auf- und Abfahrten jagte. Als ich es dann geschafft hatte mich gegen die Fliehkräfte zum trotz auf den freien Sitzplatz links von mir zu retten und den Sicherheitsgurt anzulegen, war ich heil froh. Laut den Amis war diese Aktion keinesfalls riskant. Zwei von ihnen saßen von da an auf der grade frei gewordenen Ladefläche. Nur um meine Mutter zu beruhigen: „Mama, Ich hab nicht vor das noch mal zu machen!“. Aber lassen wir das.

 

Das trotzdem auf den amerikanischen Straßen nur wenig passiert und ich zum Beispiel noch keinen Unfall gesehen habe, liegt wohl an den extrem breiten Spuren, auf denen jeder deutsche noch eine zweite eröffnen könnte und dabei immer noch den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Wir können uns trotzdem glücklich schätzen das die Besitzer eines Amerikanischen Führerscheins nicht ohne weiteres in Europa fahren dürfen.  

9.6.07 21:31

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